Es gibt drei Arten von Nicht-Chinesisch-Muttersprachlern:

Die einen, für die chinesische Schriftzeichen ein zwar dekoratives, aber undurchschaubares Buch mit sieben Siegeln sind, so wie vielleicht auch die arabische, thailändische oder koreanische Schrift (nur etwas bekannter, dank Hongkong-Filmen). Sie nehmen zur Kenntnis, dass es sie gibt, und lassen es damit bewenden. Das ist die größte Gruppe.

Dann eine kleine Gruppe von Ausländern, die es wagen, diese Sprache und damit auch die Schriftzeichen zu erlernen. Die wundern sich immer wieder, wenn mit einer neuen Lektion im Lehrbuch wieder ein Dutzend neue Zeichen auf sie niederprasselt, die binnen weniger Tage memoriert sein wollen. So viele Eselsbrücken kann man sich gar nicht ausdenken, wie da gefragt sind. Und dann stellt man fest, dass man trotzdem keinen Zeitungsartikel lesen kann, vielleicht gerade mal den Sinn der Überschrift erfassen. (Ja, da spreche ich aus eigener Erfahrung.)

Und schließlich gibt es einige Menschen, die zwar keine Ahnung von chinesischen Schriftzeichen haben, sich aber trotzdem gerne damit schmücken – vermutlich gerade, weil sie so fremd und exotisch erscheinen. Und das kann tierisch in die Hose gehen.

Schauen wir uns doch mal dieses Bild an. Eine Messe oder ein Autohaus irgendwo in Deutschland. Und weil deutsche Autos an sich so langweilig sind, kann man sie prima mit solchen Aufklebern verschönern:

Schriftzeichen Aufkleber

Wieso sich jemand “Geburt” oder “Böse” auf die Karre kleben will, das lassen wir hier mal dahingestellt sein. Wer aber drei Euro und mehr für Aufkleber hinlegt, die in der Herstellung vermutlich ein paar Cent gekostet haben, der sollte zumindest korrekte Ware erwarten können. Ist aber nicht so:

Schriftzeichen Gross

Ein Klassiker, dieser Satz. “Ich liebe Dich” heißt auf Chinesisch 我愛你 bzw. wǒ ài nǐ.

Dumm nur, dass die Schriftzeichen für “Liebe” und “Du” hier verstümmelt sind. Es fehlt jeweils ein Strich. So wär’s richtig:

wo ai ni

Man könnte sich ja alternativ “Ich libe Dih” aufs Auto kleben. Käme bestimmt gut an. Oder man kann es so machen wie diese junge Dame, deren Heckscheibe ich irgendwann auf der B 71 knipsen konnte:

Zeichen Heckscheibe

Als ich diese Aufkleber sah, war ich zunächst verzweifelt – hatten sie doch so gar keine Ähnlichkeit mit irgendwelchen mir bekannten Zeichen. Bis ich dann den Kopf drehte und verstand: Sie kleben kopfüber. Eigentlich heißt es 牡羊座, und das steht für das Sternzeichen “Widder”. Ob die Aufkleber-Hersteller keine Markierungen für “oben” und “unten” aufdrucken?

Aber das eigene Auto zu verunstalten ist ja noch harmlos. So richtig problematisch wird es mit Tätowierungen. Es soll ja Leute geben, die sich so ziemlich alles in die Haut stechen lassen, wenn es nur chinesisch aussieht. Was da passieren kann, zeigt die wunderbare Website Hanzi Smatter immer wieder mit großer Deutlichkeit. Da gibt es Bilder wie die eines gewissen Robert, der sich den kompletten Rücken mit ziemlich sinnfreien und auch noch schlampig ausgeführten Zeichen hat zutätowieren lassen. Schön ist das nicht.

Warum chinesische Tattoos generell keine gute Idee sind, wieso sich Namen nicht “übersetzen” lassen und wo die Unterschiede zwischen chinesischen und japanischen Zeichen liegen, darüber hat Benny (der zur zweiten o.g. Gruppe gehört) in seinem Blog einen ganz vorzüglichen Eintrag geschrieben, den ich nur jedem ans Herz legen kann.

So richtig toll sind dann aber erst die Leserkommentare unter dem Eintrag. Da sind massenhaft Eltern, Pärchen usw. per Google auf diese Seite gestoßen, und statt den Text ernst zu nehmen, ihn zu verstehen oder überhaupt nur zu lesen, quälen Sie den armen Benny mit Anfragen wie:

  • Ich möchte Nishy auf chinesischen Schriftzeichen tattovieren. Wie schreibt man Nishy auf chinesisch? Kannst du mir bitte helfen?
  • Ich möchte mir die Namen meiner Kinder in chinesischen Schriftzeichen stechen lassen. Kannst du mir da weiter helfen? Jeremy und Justin. Danke.
  • Ich bin auf der Suche nach der Überstzung von folgendem Spruch: “Ich bin ganz vollkommen, stark,mächtig,liebevoll, harmonisch und glücklich”
  • Ich möchte mir meinen namen PHILLIP Tätowieren lassen kann aber überall nur die zeichen für Philipp oder Phillipp finden ich hoffe ihr könnt mir helfrn wäre ganz dringend!!

Diese letzte Frage ist mein absoluter Favorit. Ganz großes Kino.

(Rechtschreibfehler wurden übrigens 1:1 übernommen.)

Während Benny vor solchen Aktionen warnt, scheinen Tattoo-Afficionados und andere Zeichen-Begeisterte z.B. auf dieser Seite eher Auskunft zu erhalten. Auch hier lohnt sich ein Blick ins Gästebuch.

An Eurer Stelle, liebe Leser, würde ich ganz schnell all die irgendwann mal gekauften billigen T-Shirts mit Schriftzeichen aus dem Schrank holen und einer fachmännischen Begutachtung unterziehen. Oder einfach nicht mehr tragen.

Sonst geht es Euch noch wie der Max-Planck-Gesellschaft…

Unglaublich – kaum bin ich von Hamburg nach Taiwan gezogen, machen Taiwaner in Hamburg einen Laden für Bubble Tea auf – schreibt die Welt.

Ihr Daheimgebliebenen, auf geht’s! Wer Bubble Tea nicht kennt, hat Taiwan verpennt.

Man nennt dieses leckere Getränk übrigens auch 珍珠奶茶 zhenzhu naicha oder Perlen-Milchtee. Die “Perlen” sind Kugeln, die aus Tapiokastärke gekocht werden, eine Fruchtgummiartige Konsistenz haben und eigentlich nach nichts besonderem schmecken. Sie werden durch extradicke Stohhalme aufgesaugt und schmecken nur, wenn sie frisch gekocht sind – wohl einer der Gründe, warum dieses Getränk sich bisher in Deutschland nicht so recht durchsetzen konnte.

Goeran Tee

Austauschschüler Göran ist in Taiwan auch auf den Geschmack gekommen. Man beachte die Getränkekarte in der Bildmitte.

Klassischerweise trinkt man sie aus oben zugeschweißten Halbliter-Plastikbechern mit kalten Milchtee, mehr oder weniger stark gesüßt, mit oder ohne Eiswürfel. Es gibt hier unzählige Variationen mit grünem Tee, Ingwer, Früchten usw. Und es gibt wirklich an fast jeder Straßenecke einen Laden. Ein Becher kostet um die einen Euro, meist weniger.

Mir schmeckt Bubble Tea am besten, wenn es so richtig heiß ist. Und im Moment ist es heiß. Ich glaube, ich gehe gleich mal raus…

Nun ist es offiziell: Ich lebe in der weltweit 62.-lebenswertesten Stadt. Diesen Platz belegt Taipeh jedenfalls in einer britischen Studie, die vor einigen Tagen ihre Runde durch die Medien gedreht hat (auch die deutschen).

Platz 62 also, von 140 berücksichtigten Städten. Nun ja, da ist eine Menge Luft nach oben wie nach unten. Mit einem Wert von 81,9 auf einer wie auch immer ermittelten o-100-Skala gebe es in Taipeh jedenfalls keine ernsthaften “living standard challenges”, so der Herausgeber der Studie in dem oben verlinkten Artikel.

Wo lebt es sich also am besten? Hier die Top 20:

  • Vancouver
  • Wien
  • Melbourne
  • Toronto
  • Perth & Calgary
  • Helsinki
  • Genf & Sydney & Zürich
  • Adelaide
  • Auckland
  • Osaka
  • Hamburg & Stockholm
  • Brisbane
  • Paris & Montreal
  • Frankfurt & Tokio

Wer am schlechtesten abgeschnitten hat, steht u.a. beim Economist, der die Studie in Auftrag gegeben hatte.

Kanadier und Australier müssen demzufolge sehr glückliche Menschen sein.

Nun sind solche Studien (ohne diese gelesen zu haben, sie kostet nämlich zum Download 250 US$) natürlich primär Blödsinn, geben gute Schlagzeilen, sagen aber wenig aus. “Frankfurt ist so lebenswert wie Tokio, aber nicht ganz so lebenswert wie Brisbane.” – was soll uns das sagen?

Oder ist diese Einstellung jetzt nur Selbstschutz? Schließlich bin ich ja aus der 14.- in die 62.-lebenswerteste Stadt gezogen, während mein Bruder nach wie vor in der 17.-platzierten Stadt lebt.

Taipeh Park Shilin

Einer der wenigen Parks, die Taipeh so lebenswert machen

Der Vollständigkeit halber weitere interessante Platzierungen: Pittsburgh 29. (?!), Hong Kong 39., London 51., New York 56., Athen 63. (weniger lebenswert als Taipeh!), Moskau 69.

Von Hong Kong abgesehen, landen alle chinesischen Städte hinter Taipeh: Tianjin 72., Suzhou 74., Peking 76., Shenzhen 83., Shanghai 84. und so weiter. Das ist zumindest mal eine Genugtuung.

Geprüft wurden 30 Werte aus fünf Kategorien:

  • stability
  • health care
  • culture and environment
  • education
  • infrastructure

Ich vermute, dass Taipeh vor allem im Bereich “environment” nicht so toll abgeschnitten hat. Vor allem nicht, falls man die Motorroller-Dichte pro Quadratmeter Straße in die Berechnungen mit einbezogen hat. Oder die Anzahl der öffentlich zugänglichen Papierkörbe.

(Auch lesen: Meinen Eintrag über den Lebensstandard in Taiwan.)

Vielleicht wäre es auch eine gute Idee gewesen, auf einer der wenigen freien Flächen mitten in der Stadt (gegenüber der Sun-Yat-Sen-Gedenkhalle, Google Maps) einen Park anzulegen, statt die Bäume abzuholzen, um dort in Kürze ein weiteres überflüssiges Einkaufzentrum hochzuziehen (mehr dazu hier).

Taipeh Strasse

Die 62.-lebenswertesten Straßen der Welt

Wie auch immer… was denkt Ihr, werte Leser? Glaubt Ihr solchen Untersuchungen? Was macht Eure Stadt lebenswert – oder nicht?

Wie schon mal erwähnt,  spielt Taiwan öffentlich-rechtliches Fernsehen und kopiert ein Erfolgsformat: den “Best Job in the World” aus Australien.

Mittlerweile sind die Regeln veröffentlicht, und Teams können sich bewerben. Die offizielle Seite “The Best Trip in the World” ist ganz gut gestaltet und lässt zunächst wenig Fragen offen.

101 Panorama Taipeh

Da steht zum Beispiel, dass die 50 Teams, die in die engere Wahl kommen, ihre erste Reise im Juli/August selbst finanzieren müssen – von einem Zuschuss von ca. 600 Euro mal abgesehen. Ob man so wirklich viele europäische oder sonstige ausländische Teilnehmer gewinnen kann?

Sehr schön finde ich diese Regel: “Entrants whose videos include images containing the word “Taiwan” will win extra points!”

Oder diese: “The Bureau will arrange for the entire tour itinerary to be covered by the media. The footage will be used in tourism promotions overseas. The winning team, during its one-month tour of Taiwan, will be required to visit designated national parks, national scenic areas and attractions to explore Taiwan’s distinctive characteristics—natural phenomena, ecological resources, culture, customs and cuisine.”

Das klingt ja so, als ob man sich so richtig austoben kann, um die 800.000 Taiwan-Dollar Preisgeld (ca. 17.000 Euro) auf den Kopf zu hauen.

PS: Ich bin jetzt wieder in Taipeh! Das wird sich auch zunächst mal nicht ändern.

Eine halbe Million Menschen erwartet Taiwans Oppositionspartei DPP heute zu einer Großdemonstration in Taipeh. In mehreren Zügen ziehen die Menschen vor den Präsidentenpalast, um gegen die Politik von Präsident Ma Ying-jeou und seiner Partei Kuomintang (KMT) zu demonstrieren.

Kurz vor dem ersten Jahrestag von Mas Amtsantritt protestieren sie vor allem gegen seinen Kurs der Annäherung an China, den sie als zu rasch und schädlich für Taiwans Souveränität bezeichnen. Wichtige Abkommen hatte die KMT im direkten Dialog mit Chinas KP getroffen, also ohne gewählte Volkvertreter einzubeziehen. Außerdem plant Ma, ein Freihandelsabkommen mit China abzuschließen, ohne es durch eine Volksabstimmung ratifizieren zu lassen. Und schließlich steht eine Änderung des Versammlungsrechts an, die laut DPP (offizielles Blog) solche Massenkundgebungen in Zukunft unterbinden könnte.

DP 517 Demo

Gut zusammengefasst finden sich weitere Informationen bei Taiwan Matters, ebenso wie ein Youtube-Videoaufruf.

Solche Riesen-Demontrationen gab es schon mehrfach seit dem Amtsantritt von Ma. Weil die DPP im Parlament mit weniger als einem Drittel der Sitze derzeit wenig ausrichten kann, verleiht sie ihren Positionen auf diese Weise Ausdruck. Und erinnert damit natürlich bewusst an ihre Anfänge als unterdrückte Gegenbewegung zum KMT-Einparteienstaat, die mit Protestmärschen einen langen Marsch bis an die Spitze des Staates begann – und zurück in die Oposition.

Taipei Grossdemo

Übrigens wird Präsident Ma die Massen nicht vor der Tür seines Palastes aufmarschieren sehen. Er hat schon einen Termin in einer anderen Stadt.

Nachtrag: Ein Bericht mit Fotos von der parallel stattgefundenen Demo in Kaohsiung und weitere interessante Links bei Blickpunkt Taiwan.

Wenn an dieser Meldung auch nur die Hälfte wahr ist, werde ich mich ab sofort über gar nichts mehr wundern:

Die Kriminalpolizei von Taiwan arbeitet an Plänen, Polizisten aus der Volksrepublik China in Taiwan zu stationieren (und umgekehrt) – angeblich, um gemeinsam Kriminalität besser bekämpfen zu können.

Diese Wahnsinnsidee hat das Crime Investigation Bureau (unbedingt mal die Website ansehen!) nun Präsident Ma und den Gremien, die mit China verhandeln, zur Überprüfung vorgelegt. Sie könnten theoretisch z.B. bei den Cross Strait Talks, also den Verhandlungen mit China, Ende des Jahres auf den Tisch kommen.

Das muss man sich mal vorstellen: Auf der einen Seite ist eine demokratische Nation. Auf der anderen Seite eine Diktatur, die ständig mit Krieg droht und Menschenrechte mit Füßen tritt. Und nun soll die Demokratie sich freiwillig und ohne Not Schergen dieses Regimes ins Land holen?

Das wäre ungefähr so, als hätte Polens Polizei im Frühjahr 1939 Kollegen der Gestapo eingeladen, um in Danzig gemeinsam nach Zigarettenschmugglern zu fahnden. (Ich bitte um Entschuldigung für die Bemühung von Godwins Gesetz, aber hier passt es.)

Bin sehr gespannt, ob dieser Wahnwitz nun von der KMT-Regierung schleunigst in der Luft zerrissen wird. Ansonsten kann Ma m.E. die Schlüssel zum Präsidentenpalast auch gleich selbst in Peking abliefern.

Flagge einholen

Taiwan: Der letzte holt die Flagge ein?

Michael Turton malt den Teufel an die Wand: Was wäre, wenn chinesische Polizisten in Taiwan Verhaftungen durchführen können?

“(…) recall the tale of Wang Bingzhang, the PRC dissident now doing life in China. He was kidnapped by Chinese secret agents in 2002 in Vietnam and dragged off to China. If the Chinese aren’t going to scruple at taking people from Vietnam… and they have precedent: the US rendition program, our illegal kidnap and torture program. Not merely a US national shame, it also creates a legal precedent for similar PRC activities. We can hardly criticize the PRC if Tsai Ing-wen (Taiwans Oppositionsführerin) disappears in the night.

And don’t forget, the Chinese will then have access to all the information that local police have access to, in the very least. That, I suspect, will be far more interesting and useful to PRC intelligence than Ruan Ming or Wuerkaixi (zwei Chinesische Dissidenten, die in Taiwan leben). Or even Tsai Ing-wen.”

Die taiwanische Kandidatin Clare hat beim Wettbewerb um den “besten Job der Welt” in Australien nicht gewonnen. Obwohl sie beim Casting offenbar eine gute Figur gemacht hat und ja auch mit einem prima Bewerbungsvideo ins Rennen gegangen war.

Clare hat über die Erlebnisse während Ihrer Bewerbung und den ganzen Medienrummel auch ein Blog geführt. Und hier ist ihre “offizielle” Kandidatenseite.

Das Ganze war natürlich primär eine ungemein clevere Werbekampagne. Die Idee des Tourismus-Büros von Queensland, auf diese Weise weltweit Aufmerksamkeit zu erzeugen, war brillant. Kaum ein Medium, das nicht angebissen hätte.

Der beste Job von Taiwan?

Können wir auch, denkt sich nun das Taiwan-Tourismusbüro und kopiert die Aktion einfach. Mit Unterschieden im Detail: Zunächst werden 50 Zweierteams für vier Tage nach Taiwan eingeladen. Wer den originellsten Reisebericht dreht, gewinnt eine einmonatige “Taiwan-Luxus-Reise” sowie 22.000 Euro für die Reisekasse. Bewerbungen sind online ab Juni möglich.

Wer auch immer dabei mitmacht – hoffentlich berichtet er interessanter als diese beiden Studenten, die schon mal als “Taiwan-Scouts” eingeladen wurden.

Auch die Taiwan-Aktion wird von deutschen Medien aufgegriffen, sogar von solchen. Und der Einstieg zeigt genau, woran es bei Taiwans Tourismus-Image noch hapert:

In Taiwan arbeiten? Das klingt nach Computerfabrik oder Bankwesen – jedenfalls nicht nach verträumten Wanderungen durch nebelverhangene Schluchten mit gelegentlicher Rast an einer Pagode.

Dabei gibt es das natürlich alles. Man muss es nur wissen.

Bergpanorama

Also drücke ich dem Tourismusbüro die Daumen, dass auch diese Aktion auf Interesse stößt. Damit ich in Taiwan öfter mal Westler treffe, die nicht als Englischlehrer im Land sind, sondern als Touristen.

(Tourismus-relevante Einträge: Kurzaufenthalt in Taipeh / Sonne-Mond-See / Taroko-Schlucht)

So überschreibt das sehr feine Wirtschaftsmagazin Brand Eins seine Rubrik “Mikroökonomie”, in der jeden Monat irgendein Mensch aus irgendeinem Land der Welt vorgestellt wird. Und zwar unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten: Unter welchen Bedingungen arbeitet er, was verdient er, wie viele Steuern muss er zahlen? Kann er sich ein Auto leisten, worauf spart er und wohin fährt er in den Urlaub?

Aus den Antworten auf diese Fragen entsteht im besten Fall ein Gespür dafür, wie es sein könnte, in diesem Land zu leben.

Und weil die Welt so groß und vielfältig ist, lernt man in dieser Rubrik einen Robbenjäger in Neufundland ebenso kennen wie eine Rechtsanwältin in Nicaragua, eine Lehrerin in Tibet oder eine Kioskbetreiberin in Portugal.

Da dachte ich mir, wieso sollte in so einer schönen Rubrik nicht auch Taiwan vorkommen? Und siehe da, fragen kostet nichts und bringt manchmal sogar was: Eine Grafikdesignerin in Taiwan. (Auch als PDF.)

Katie

Katie ist die gute Freundin einer guten Freundin und war so nett, mir ein paar Fragen zu beantworten und dabei quasi ihren Geldbeutel offen zu legen. Vielen Dank!

Wie sie in dem Text erwähnt, fotografiert sie gerne und ziemlich gut. Hier findet sich einige Ihrer Bilder.

Leider keinen Platz mehr gefunden im Heft haben die letzten beiden Punkte des Gesprächs:

  • Was würden Sie tun, wenn Sie sich ein Jahr lang nicht um Ihren Unterhalt kümmern müssten?
    Dann würde ich noch mehr auf Reisen gehen, andere Länder und Kulturen kennen lernen. Wenn man weiß, wie die Menschen woanders denken, erweitert das den eigenen Horizont. Ich mag Kunst und würde mir gerne alle wichtigen Kunstmuseen in Europa ansehen. Und ich möchte den Yu Shan, den „Jadeberg“ in Taiwan besteigen, das ist mit 3.952 Meter der höchste Berg in ganz Ostasien.
  • Die meisten Länder der Welt erkennen die „Republik China“, wie Taiwan offiziell noch immer heißt, nicht als Staat an – auf Druck der Volksrepublik China.
    Wenn ich im Ausland bin, wissen viele Leute nichts über Taiwan und unsere Demokratie. Sie halten Taiwan für einen Teil von China oder verwechseln es mit Thailand. Auf Geschäftsreise in China hat ein Kollege einmal bei der Einreise als Herkunftsland „Taiwan“ angegeben. Da hat die Beamtin den Zettel zerrissen und ihn angefahren, er müsse „China“ schreiben. Unser neuer Präsident will engere Beziehungen mit China. Aber ich mache mir Sorgen, dass wir uns dann dem Festland immer mehr angleichen.

Um Arbeitsbedingungen, Verdienst und Lebenshaltungskosten in Taiwan ging es vor einiger Zeit schon einmal in diesem Blogeintrag.

Es gibt eine neue Seite in diesem Blog, der Link steht ganz oben rechts und hier.

Sozusagen eine Meta-Blog-Seite. Mit vielen lustigen Google-Suchanfragen, die alle hierher geführt haben. Warum auch immer.

Es wird als “bester Job der Welt” verkauft und ist eigentlich eine Werbekampagne für das australische Great Barrier Reef. Ein halbes Jahr auf einer tollen Insel leben, ein Blog über die Korallenriffe schreiben und dafür auch noch mehr als 100.000 US$ kassieren – es gibt schlimmeres.

In wenigen Stunden werden zehn Finalisten bekannt gegeben, die sich um diesen Job streiten werden. Ein elfter Platz wurde schon vor einer Woche vergeben, und zwar an Clare Wang aus… Taiwan.

Clare ist Übersetzerin (das hört man) und hat ein ziemlich professionelles Bewerbungsvideo hingelegt, das bei einem Internet-Voting die meisten Stimmen erhielt:

Angeblich ist sie 39 Jahre alt, was mal wieder zeigt: Bei den meisten Frauen in Taiwan muss man ungefähr sieben Jahre aufs geschätzte Alter draufschlagen, um der Realität nahe zu kommen.

(Nachtrag: Sie ist 30, was mal wieder zeigt, was viel zu oft von der Berichterstattung in deutschen Medien zu halten ist.)

Außerdem scheint sie so smart wie witzig zu sein, was nie eine schlechte Kombination ist. Und für Taiwanerinnen auch nicht ganz untypisch.

Auf Youtube stehen noch viele Videos von Bewerbern, die es nicht so weit gebracht haben. Vergeblich versucht hat es aus Taiwan zum Beispiel Beinahe-Namensvetterin Claire. Auch kein ganz schlechtes Video, aber wenn ich entscheiden müsste…

Eva dagegen hatte auf die Macht des Bikinis gesetzt:

Okay, dies hier ist weder aus Taiwan noch besonders geistreich, aber die “large scale event coordination” macht vieles wett:

Aktueller Nachtrag: Der Beitrag ist am 15.4. gelaufen und wurde am 16.4. vormittags wiederholt.

Als Fernsehreporter habe ich in den vergangenen Jahren einiges an Beiträgen zustande gebracht. Doch der Film, der am morgigen Montag im NDR gesendet wird, ist für mich etwas ganz besonderes. Es ist mein erster Fernsehbeitrag über Taiwan. Und es ist der erste, den ich dort mit meiner eigenen Kamera selbst gedreht habe, als VJ (Videojournalist).

Es geht um Göran aus Brunsbüttel, der mit 17 Jahren gerade ein Jahr als Austauschschüler in Taipeh verbringt. Ich habe ihn auf den Nachtmarkt begleitet, in die Schule und zu seiner Gastfamillie. Und ich hoffe, dass der Beitrag ein bisschen von dem Gefühl vermittelt, wie es ist, in Taipeh zu sein.

Goeran Tee

Ebenso wie Lennart gehörte auch Göran zu dieser Gruppe von Rotary-Austauschschülern, die ich im August 2008 am Frankfurter Flughafen getroffen hatte.

Der Beitrag läuft im “Schleswig-Holstein-Magazin” zwischen 19:30 und 20 Uhr im NDR Fernsehen. Zu dieser Zeit schaltet der NDR sich zu vier Regionalmagazinen aus den Bundesländern auseinander. Über DVB-T oder Digital-Satellit ist aber meist auch das Schleswig-Holstein-Fenster zu empfangen.

Auch über den Live-Stream im Netz lässt sich das SH-Magazin ansehen.

Außerdem wird die Sendung am folgenden Tag um 10:00 Uhr morgens wiederholt und ist dann überall zu empfangen.

Sollte der Live-Stream im Ausland geblockt sein, kann man die Sendung über eine Website wie den onlinetvrecorder aufnehmen. Robert aus Taipeh stellt dieses Angebot vor.

Noch ist es auch möglich, dass die Redaktion aus aktuellen Gründen die Sendung umbaut und der Beitrag zu einem späteren Zeitpunkt gesendet wird.

…und über 1,80 Meter groß – das ist Lennart aus Rotenburg in Niedersachsen. Zwischen den Erstklässlern in dieser Grundschule in Hsinchu fällt er damit natürlich kaum auf…

Lennart Grundschule

Lennart lernt jeden Morgen in der ersten Unterrichtsstunde mit ihnen zusammen Chinesisch. Wer besser ist, verrät er in einem Radiobeitrag, den ich für NDR 1 Niedersachsen gemacht habe.

Er läuft morgen (Dienstag) in der Zeit zwischen 14:45 und 15:00 Uhr. Es gibt auch einen Livestream.

Lennart ist über den Rotary Club für ein Jahr als Austauschschüler nach Taiwan gegangen. An seiner Schule ist er der einzige westliche Ausländer und hat schon fast Celebrity-Status.

Lennart High School

Ich habe riesigen Respekt vor Leuten, die in diesem Alter für ein ganzes Jahr in ein Land gehen, in dem sie nicht mal die Sprache beherrschen. Davon profitieren sie bestimmt ihr Leben lang.

Im August 2008 gehörte Lennart zu der Gruppe von Rotary-Schülern, die ich auf ihrem Flug nach Taiwan getroffen hatte.

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