Taipeh hat die modernste und am besten durchdachte U-Bahn, die ich je erlebt habe. Das ist auch gut so, bei den Menschenmassen zur Rush-Hour.

Züge teilweise im Zwei-Minuten-Takt, saubere Stationen mit kurzen Wegen, perfekte Ausschilderung (auch englisch), ein unheimlich praktisches Aufladekarten-Funkchip-System (einfach die Brieftasche ans Lesegerät halten und durchs Drehkreuz gehen). Das ist der Vorteil daran, wenn man erst in den neunziger Jahren anfängt, ein Netz zu bauen. Und es wird fleißig weiter gebuddelt.

Für mich hat die Sache nur zwei Haken: Das Liniennetz ist noch etwas lückenhaft, und die Züge fahren nur bis kurz nach Mitternacht.

Aus Sicht der Betreiber gibt es offenbar nur ein Problem, und das sieht so aus:

Auf den ersten Blick eine ganz normale Rolltreppe. Tatsächlich aber eine fiese Todesfalle, vor deren Benutzung man die Fahrgäste unbedingt warnen muss. Diesen Eindruck muss jedenfalls gewinnen, wer solche Schilder sieht:

Was Taipeh an der Ausschilderung von Straßennamen spart, steckt es in Rolltreppen-Warnschilder. Und die Kreativität der Rolltreppen-Warnschild-Designer ist beträchtlich. Alle nun folgenden Beispiele habe ich in einer einzigen U-Bahn-Station auf dem Weg vom Bahnsteig zum Ausgang fotografiert:

Weil immer was passieren kann: Der Guide on Escalator Ride samt Notfall-Knopf.

Wer sich nicht festhält, fährt gefährlich.

Nochmal schön bebildert…

Besonders Mütter sollten achtgeben!

Lässiges Anlehnen wird bestraft.

Risikogruppe Ältere: Bloß nicht Rolltreppe fahren!

Nun hat mir jeder Taiwaner, den ich nach dem Grund für diesen Warnschild-Wahn gefragt habe, glaubhaft versichert, das falle ihm gar nicht mehr auf, und Rolltreppen würden auch nicht als besonders gefährlich gelten. Als mögliche Erklärung hieß es, Taipeh habe das komplette U-Bahn-System in Japan eingekauft, und dort seien solche Warnschilder nun mal vorgeschrieben. Sollte ich also mal nach Tokio kommen, werde ich die Augen aufhalten!

Weil wir schon beim Thema sind: Immer wieder schön ist es zu sehen, wie diszipliniert sich die Menschen auf dem Bahnsteig anstellen und nach den Markierungen auf dem Fußboden richten. Das klappt natürlich nur, weil die Züge immer an der exakt gleichen Stelle halten und die Türen sich genau bei den Markierungen öffnen.

Damit es auch bei ganz großem Gedränge geordnet zugeht, stehen am Hauptbahnhof, dem wichtigsten Knotenpunkt, außerdem noch diese maskierten U-Bahn-Schaffner, die mit einem Jedi-mäßigen Leuchtstab anzeigen, wann niemand mehr zusteigen darf. So macht das U-Bahn-Fahren Spaß!