Nun ist es offiziell: Ich lebe in der weltweit 62.-lebenswertesten Stadt. Diesen Platz belegt Taipeh jedenfalls in einer britischen Studie, die vor einigen Tagen ihre Runde durch die Medien gedreht hat (auch die deutschen).

Platz 62 also, von 140 berücksichtigten Städten. Nun ja, da ist eine Menge Luft nach oben wie nach unten. Mit einem Wert von 81,9 auf einer wie auch immer ermittelten o-100-Skala gebe es in Taipeh jedenfalls keine ernsthaften „living standard challenges“, so der Herausgeber der Studie in dem oben verlinkten Artikel.

Wo lebt es sich also am besten? Hier die Top 20:

  • Vancouver
  • Wien
  • Melbourne
  • Toronto
  • Perth & Calgary
  • Helsinki
  • Genf & Sydney & Zürich
  • Adelaide
  • Auckland
  • Osaka
  • Hamburg & Stockholm
  • Brisbane
  • Paris & Montreal
  • Frankfurt & Tokio

Wer am schlechtesten abgeschnitten hat, steht u.a. beim Economist, der die Studie in Auftrag gegeben hatte.

Kanadier und Australier müssen demzufolge sehr glückliche Menschen sein.

Nun sind solche Studien (ohne diese gelesen zu haben, sie kostet nämlich zum Download 250 US$) natürlich primär Blödsinn, geben gute Schlagzeilen, sagen aber wenig aus. „Frankfurt ist so lebenswert wie Tokio, aber nicht ganz so lebenswert wie Brisbane.“ – was soll uns das sagen?

Oder ist diese Einstellung jetzt nur Selbstschutz? Schließlich bin ich ja aus der 14.- in die 62.-lebenswerteste Stadt gezogen, während mein Bruder nach wie vor in der 17.-platzierten Stadt lebt.

Taipeh Park Shilin

Einer der wenigen Parks, die Taipeh so lebenswert machen

Der Vollständigkeit halber weitere interessante Platzierungen: Pittsburgh 29. (?!), Hong Kong 39., London 51., New York 56., Athen 63. (weniger lebenswert als Taipeh!), Moskau 69.

Von Hong Kong abgesehen, landen alle chinesischen Städte hinter Taipeh: Tianjin 72., Suzhou 74., Peking 76., Shenzhen 83., Shanghai 84. und so weiter. Das ist zumindest mal eine Genugtuung.

Geprüft wurden 30 Werte aus fünf Kategorien:

  • stability
  • health care
  • culture and environment
  • education
  • infrastructure

Ich vermute, dass Taipeh vor allem im Bereich „environment“ nicht so toll abgeschnitten hat. Vor allem nicht, falls man die Motorroller-Dichte pro Quadratmeter Straße in die Berechnungen mit einbezogen hat. Oder die Anzahl der öffentlich zugänglichen Papierkörbe.

(Auch lesen: Meinen Eintrag über den Lebensstandard in Taiwan.)

Vielleicht wäre es auch eine gute Idee gewesen, auf einer der wenigen freien Flächen mitten in der Stadt (gegenüber der Sun-Yat-Sen-Gedenkhalle, Google Maps) einen Park anzulegen, statt die Bäume abzuholzen, um dort in Kürze ein weiteres überflüssiges Einkaufzentrum hochzuziehen (mehr dazu hier).

Taipeh Strasse

Die 62.-lebenswertesten Straßen der Welt

Wie auch immer… was denkt Ihr, werte Leser? Glaubt Ihr solchen Untersuchungen? Was macht Eure Stadt lebenswert – oder nicht?